Mo. Feb 17th, 2020

Umweltpopulismus trifft Kreuzfahrer

Kreuzfahrtschiffe

Kreuzfahrtschiffe (© Mariamichelle - pixabay)

Aktuell kommt die allgemeine Kreuzfahrt bei den Klimaschützern nicht besonders gut weg. Und irgendwie hat sich eine relativ kleine Gruppe auf den Standort Kiel eingeschossen.
In Häfen wie Bremerhaven, Warnemünde und auch Kiel landen fast täglich die schwimmenden “Kleinstädte” an. Für einen “Öko” haftet den Schiffen sicher noch ein Hauch von Dekadenz an und so ist das Feindbild für Umweltpopulisten schnell gefunden.

Organisationen wie der Nabu melden sich mit drastischen Schlagzeilen, die dann haarscharf an der Realität vorbei gehen. Dazu kommt noch, dass die Medien (oft schlecht recherchiert) zurzeit ebenfalls in die gleiche Kerbe schlagen. Und so entsteht trauriger Umweltpopulismus statt einer sachlichen Diskussion.

Richtig ist, dass Kreuzfahrtschiffe alles andere als ein ökologisch wertvolles Verkehrsmittel ist. Und auch ich kann nicht verstehen, warum gerade Venedig Startpunkt vieler Kreuzfahrten sein muss. Das sind alles Punkte, über die man diskutieren kann und sicher auch muss.

Im Grunde gibt es diese Probleme ja auch nur, weil die Natur einmal den Fehler gemacht hat, dass der Mensch sich soweit entwickeln konnte, wie wir es heute vorfinden. Komischerweise ist noch keinem Naturschützer in den Sinn gekommen die Zahl der Menschen zu reduzieren. Vorzugsweise die mit dem größten klimaschädlichen Fußabdruck.

Aber mal Spaß beiseite, man hat aber oft den Eindruck, so werden die Diskussionen geführt. So auch jetzt die Aktionen in Kiel. Man hat die Kreuzfahrer jetzt als die größten Klimasünder schlechthin ausgemacht. Aber ist das auch wirklich der Fall?

Wenn man bedenkt das der weltweite Transport “nur” etwa 15 Prozent der gesamten CO2 Emissionen ausmacht und ein Viertel davon auf die gesamte Schifffahrt entfällt, kann man erkennen, das die Auswirkungen dieses Sektors keineswegs so gewaltig sein können. Die Kreuzfahrt hat dabei zurzeit am Gesamtschiffverkehr “nur” einen Anteil von weit unter 5 Prozent. Dieser Anteil wird nun für die großen Klimaprobleme verantwortlich gemacht?!

Leider verschärft die Propaganda mit der Kreuzfahrt im Visier das wichtigere Problem, die mangelnde Sensibilität der Menschen für wirkliche Umweltthemen insgesamt. Denn es sollte eben nicht “nur” um die 5 Prozent Kreuzfahrtschiffe gehen, sondern es muss um 100 Prozent der Schifffahrt gehen.

In vielen Blogs, die sich negativ zum “Kreuzfahrtproblem” äußern, wird gern der Vergleich  vom NABU herangezogen. Dort werden Tonnen mit Kilometern!! verglichen und vielfach kritiklos übernommen. Einzig die Zeit hat mal kritisch hinterfragt.

“Die Zahl haben wir gewichtet nach der Bedeutung der Schadstoffe grob als Quersumme ermittelt”, erläutert Dietmar Oeliger, Leiter der Nabu-Abteilung Verkehrspolitik. Man hat also Äpfel, Birnen, Kirschen und Tomaten irgendwie zusammengezählt und durch vier geteilt. Oeliger weiß, dass so etwas unseriös ist. Man verwende das Ergebnis deshalb auch nur, “wenn Medien eine plakative, einfach zu verwendende Zahl möchten”.

Was bedeutet das für uns Urlauber?

Jeder Urlauber hinterlässt einen klimawirksamen Fußabdruck. Am besten kommt der weg, der Urlaub auf Balkonien macht. Einen durchaus neutralen Vergleich hat einmal der WWF veröffentlicht. An verschiedenen Beispielen wird dort “Der touristische Klima-Fußabdruck” aufgezeigt. Da kommt gerade der Urlauber, der ohne Flug von Kiel nach Kiel eine Rundreise macht, besser weg, als der gemeine Malle-Urlauber.

Jetzt kann jeder bewusste Urlauber für sich entscheiden, wieviel Schaden sein Urlaub machen darf. Wer es genau wissen möchte, kann sich seinen Klima-Fußabdruck auf https://www.myclimate.org/de/ berechnen und dann sein Gewissen mit einer Kompensation erleichtern. Für eine 7 Tage Kreuzfahrt macht das nicht einmal 40 Euro.

Fazit

Urlaub machen ist klimaschädlich! Je weiter weg die Reise geht, desto schlimmer die Auswirkungen auf das Klima. Kreuzfahren ist dabei keineswegs zu verharmlosen aber auch nicht zu verteufeln.
Positiv: Die 3000 Menschen auf einem Kreuzfahrschiff fahren nicht individuell in der Gegend herum und verstopfen die Straßen.

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